NeckarCity Stuttgart

Prof. Franz Pesch, Städtebau Institut, Universität Stuttgart

Das Areal Viehwasen stellt eine Entwicklungsfläche im städtischen Kontext Stuttgarts dar. Da der Neckar Jahrzehnte lang von industrieller Nutzung geprägt war, wurden die Quartiere am Wasser von der Öffentlichkeit eher ausgeblendet. Eine stillgelegte Gleisanlage quert aktuell das Gebiet diagonal, worauf mit einem Grünstreifen reagiert wird, der nun als verbindendes Element fungieren soll. Mittels Untertunnelung der B10/14 soll ein attraktives Wohn-/Arbeitsquartier mit direktem Zugang zum Wasser entstehen und die Nutzung des hochwertigen Stadtraums direkt am Neckar neu beurteilt werden. Dies soll vor allem durch eine grundlegende Erhöhung der Aufenthaltsqualität der Gesamtflächen, einer städtebaulich verträglichen Zuweisung von baulich definierten Räumen und einem angemessenen Übergang zu den angrenzenden Gebieten erreicht werden. Um auf den demographischen Wandel zu reagieren und Wangen ein Gesicht zu geben, soll in diesem Areal ein Quartierszentrum mit Generationenhaus entstehen, welches den Bedarf an Nutzungen für Jung und Alt an dieser Stelle für das neue Areal bündelt. Städtebauliches Konzept- Der städtebaulich neu zu organisierende Raum gliedert sich in drei Teilgebiete: Arbeiten an der Ulmer Straße mit angrenzendem Wohnen, beruhigtes Wohnen am Park mit Generationenhaus als Begegnungsstätte zwischen Jung und Alt, sowie exklusives Wohnen am Wasser mit multifunktionalen und kulturellen Sonderbausteinen.

Allen gemeinsam ist der Grünstreifen als verbindendes Element, der Bezug auf den Großteil der Baukörper nimmt und verschiedene räumliche Qualitäten in Gestaltung und Aufenthaltsatmosphäre schafft. Diese freiräumliche Struktur ermöglicht ein nachhaltiges innerstädtisches Stadtquartier mit hoher urbanen Dichte und notwendiger Stärkung des Viehwasens durch Auflösen der Barriere zum Wasser. Strukturen der einzelnen Funktionsbereiche- Der südliche Quartierseingang ist durch einen Quartiersplatz markiert, der für urbane Atmosphäre sorgt, als Ankunftspunkt für Fußgänger und Fahrgäste der gegenüberliegenden U-Bahn Haltestelle fungiert und durch lineare Sitzblöcke zum verweilen einläd. Er mündet in einem gewerblichen Gebäude der öffentlichen Einrichtung und Nahversorgung. Auf Störungen durch die Ulmer Straße als Hauptverkehrsachse wird durch die zunehmende Gebäudehöhe der angrenzenden Bürokomplexe zur Straße eine bauliche Antwort gefunden, um Lärmemissionen von dem Areal abzuwenden.

Die verschiedenen Büroeinheiten erstrecken sich an der Hauptstraße entlang um einerseits die schnelle Erreichbarkeit zum Arbeitsplatz durch die Nähe der U-Bahnhaltestelle zu gewährleisten und andererseits die höhere Gebäudekante des Arbeitsareals für die Verhinderung von Lärmemission zu nutzen. Die Gebäudestruktur ist mit dem gewählten Ausbauraster auf ein Höchstmaß an Variabilität und Flexibilität ausgelegt und ermöglicht unterschiedliche Office-Konzepte mit wirtschaftlichen Grundrisslösungen. Angrenzend dazu bieten verschiedene Wohneinheiten die Nähe zum Arbeitsplatz und ermöglichen Homeoffice in Reichweite des Arbeitgebers, oder Mittagspausen im Kreise der Familie, durch einen verkürzten Arbeitsweg. Dabei spiegelt unsere Sonderform einen ganz besonderen Wohnungstyp wieder. Er bieten einen Wohnraum über zwei Geschosse und löst gleichzeitig den Konflikt des Laubengangs.

Das Foyer öffnet sich durch ein verglastes, geschossübergreifendes Atrium mit einer offenen und lichtdurchfluteten Raumwirkung. Wohnquartier- Beruhigtes Wohnen am Park wird durch eine gängige geschlossene Blockform charakterisiert. Jedes Baufeld erlaubt die Kombination unterschiedlicher Gebäudetypen (Zwei-bzw. Dreispänner) mit direktem Zugang vom Erdgeschoss zum privaten Innenhof.Bei den am Park angrenzenden Blöcken werden vereinzelt Gewerbe, Einzelhandel, Nahversorgung oder Cafés in einem Sockelgeschoss angeboten. Bei anderen ist ein Höhenversprung im oberen Geschoss zu vermerken, der als kleiner Dachgarten fungiert und seine Ausrichtung nach Süden oder zum Park hin findet. Besonderes Besonderes Merkmal dieses Quartiers Bildet das Generationenhaus, welches den Bedarf an Nutzungen für Jung und Alt an dieser Stelle bündelt. Dabei wird das Untergeschoss für Nahversorgungszwecke genutzt und das Erdgeschoss dient der Sondernutzung, in der Cafés oder Bäckereien, betrieben von den Bewohnern aller Altersgruppen, nahe des Parks vorgesehen sind. Die Obergeschosse umfassen unterschiedlich individuelle Wohnungstypen: Diese fungieren als Seniorenwohnungen, zwei Zimmer Wohnungen, sowie 3-4 Zimmer Wohnungen für junge Familien und Maisonette Wohnungen. Alle Wohneinheiten werden durch einen Laubengang erschlossen, der die Kommunikation innerhalb des Blocks fördert. Ein großzügiges, offenes Atrium ermöglicht vielfältige Sichtkontakte zwischen den einzelnen Ebenen. Darin ist ein multifunktional nutzbarer Kern eingestellt, in dem ein ständiger Austausch von externen, sowie internen Besuchern stattfindet. Die unmittelbare Nähe zum Park stärkt das Generationenhaus zusätzlich als Begegnungsort und Treffpunkt jeglicher Bürgerschicht jeden Alters. Zusätzlich wird dem Generationenhaus und den benachbarten Blöcken eine „shared-space“ Fläche zugeordnet.

Die landschaftsplanerischen Maßnahmen bauen auf der historischen Schienentrasse und den bestehenden Grünstrukturen auf. Der gegenwärtige Bestand wird aufgenommen und in einen, mittig durch das Gebiet laufenden Boulevard- Park transformiert. Vertikales Verspringen erzeugt eine Verbindung zum Neckar und vermeidet gleichzeitig eine zu starke parallele Bewegung zum Fluss. Gleichzeitig erhöht sich der Umfang des Parks erheblich, wodurch eine größere Zahl an Baukörpern einen direkten Parkzugang erhält. Innerhalb des Boulevards werden verschiedene räumliche Qualitäten erzeugt: größere Parkflächen laden zum Verweilen ein, während kleinere Grünflächen eher ein verbindendes Element darstellen. Das alternierende Verengen und Weiten des Grünzuges schafft sich differenzierende landschaftliche und städtebauliche Situationen. Der geometrische Grünzug wird durch organische Wegführungen durchdrungen, die sowohl Fußgänger, als auch Fahrradfahrer einladen. Größtes landschaftliches Element sind immer wiederkehrende Baumhaine, die sich durch das gesamte Gebiet ziehen.

Individuelle Stadthäuser mit kleinteiliger Parzellenstruktur und privater Bauherrschaft für Familien sieht das städtebauliche Gerüst bei der Quartier Erschließungsstraße vor. Damit wird eine positive städtische Umgebung regeneriert und eine neue Interpretation des Wohnens, erzeugt. An der Uferkante entsteht exklusives Wohnen durch das Angebot von unterschiedlich großen Wohntypen, die sich zum Wasser hin gänzlich öffnen und einen unvergleichbaren Blick über den Neckar bis hin zum begrünten Inselbad freigeben. Der Wechsel von Länge und Breite der L-förmigen Baukörper an der Uferkante sorgt für eine homogene Ansichtskante und gibt zudem Blickbezüge zum Wasser frei.

Die vertikale Verbindung des Grünzugs zum Neckar findet ihren Abschluss in terrassenartigen Plätzen die in Hafenbecken münden und eine harte Uferkante auflockern. Neben der Wohnbebauung, erfährt das Ufer durch verschiedene bauliche Hochpunkte eine Akzentuierung der Uferkante, die das exklusive Wohnareal auflockern und verschiedene Freizeitangebote bieten. Am Südwestufer werden in unmittelbarer Nähe zum Wasser Sonderbausteine (Clubhaus für Bootsbesitzer, Sport und Gastronomie) angeboten. Eine Rampe ermöglicht an dieser Stelle direktes Herantreten an den Hafen. Mittig des Uferareals findet ein Learning Center seinen Platz, das sich durch seine Form eindeutig von der Umgebung abhebt. Hier entsteht eine Neugestaltung der Uferkante mit treppenartigen Abgängen, die eine neue urbane Freiraumqualität schaffen. Nordöstlich entsteht ein Museum das für einen kulturellen Sonderbaustein steht, der ein Gegensatz zu dem infrastrukturellen, stark belebten Knotenpunkt bildet und einen großzügigen Platz als Erholungs und Begegnungsort zum Neckar entstehen lässt.