Hohenheim Learning Center

Vertr. Prof. Stefan Birk, Prof. Stefan Behling, Prof. Jan Knippers, Prof. Peter Schürmann, Prof. Jürgen Schreiber, Institut für Baukonstruktion und Entwerfen - Lehrstuhl 2, Universität Stuttgart

Entwurf mit Kilian Juraschitz, Richard Königsdorfer, Matthias Stauch und Paul Vogt

Die Universität Hohenheim erfährt seit einigen Jahren einen konstant wachsenden Zuspruch an Studierenden. An zentraler Stelle soll das neue „Hohenheim Learning Center“ entstehen um neue Impulse zu setzten.

Der Campus der Universität am Rande Stuttgarts ist geprägt von der ländlichen Umgebung und der unmittelbaren Nähe zum historischem Schloss Hohenheim. Durch die stetige Erweiterung des Campus im Umfeld des Schlosses ist dieses inzwischen an den Rand der Anlage gerückt. Die Bebauung besteht aus einem heterogenen Flickenteppich an Gebäuden, in denen die verschiedenen universitären Nutzungen untergebracht sind. Diesen Flickenteppich zu verknüpfen und eine neue Mitte zu schaffen ist Ziel dieses Entwurfs.

Das Raumprogramm umfasst neben einem Foyer und einer Cafeteria zwei zusammenschaltbare Hörsäle, die insgesamt 600 Zuhörern Platz bieten. Besonderer Fokus liegt auf Flächen mit individuellen Qualitäten und Möglichkeiten informeller Kommunikation. Offen oder zurückgezogen gestaltete Bereiche sollen unterschiedlichen Aktivitäten Raum geben. Das Learning Center soll ein lebendiger Ort sein, an dem Austausch und Begegnung stattfindet.

Keine Wände oder Schwellen sollen den Bewegungsfluss stören. Das Thema ist die Landschaft, das Gebäude selbst rückt in den Hintergrund.

Eine leichte Dachstruktur erstreckt sich über das gesamte Baufeld. Unter dieser gliedern sich verschiedene Nutzungen. Innen- und Außenraum gehen ineinander über, die Landschaft „fließt“ durch das Gebäude.

Die baulichen Hauptelemente unseres Entwurfs sind das Dach, eine präzise horizontale Scheibe, Stützen als tragendes und vermittelndes Element, eine leichte, sich auflösende Fassade und einzelne massive Körper, die wie Kiesel in der fließenden Landschaft stehen. Das Pendant zu dem flachen Dach bildet die Landschaft. Die Topographie bildet Hügel und Senken die sowohl die verschiedenen Nutzungen betonen als auch die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum verschwimmen lassen. Um die angestrebte Wirkung eines flachen homogenen Dachs zu erreichen haben wir eine Konstruktion aus GFK Verbundelementen entwickelt. Diese Konstruktion ermöglicht ein frei formbares, extrem leichtes Dach, das auch über große Spannweiten sehr filigran wirkt. Um eine hohe Transparenz der thermischen Hülle zu erreichen besteht die Fassade aus liegenden, großformatigen Glasscheiben. Organisch geformte Körper aus Beton gliedern einzelne Bereiche und übernehmen dienende Funktionen.

Die Hörsäle unterscheiden sich in ihrem Charakter, um verschiedene Anforderungen zu erfüllen. Während einer der Säle sich für klassische Vorträge und Präsentationen eignet, ist der andere sehr offen gestaltet, bettet sich in die Topographie ein und bietet Raum für freiere Formen des Lernens. Jede der differenzierten Nutzungen gliedert sich in die Landschaft ein. Es ergibt sich ein Nebeneinander von Elementen die ineinander übergehen und trotzdem eigenständige Räume bilden.

Durch mehrere Formfindungsprozesse entstand eine organische Dachform aus sich verschneidenden, gleich großen Kreisen. Runde Einschnitte in das Dach sollen die Struktur auflockern und präzisieren. Das Raumprogramm organisiert sich in zwei getrennten thermischen Körpern, die Cafeteria und die Hörsäle mit Foyer. Durch die organische Form der Körper und des Daches ist das Gebäude ungerichtet und öffnet sich so rundum der Umgebung. Es lässt Durchwegung in alle Richtungen zu und schafft durch die Aufnahme von Bezügen aus dem Umfeld ein Zentrum. Das Gebäude gliedert sich eher den bestehenden Achsen an als Neue zu schaffen. Gleichzeitig bildet es einen Mittelpunkt, da die wichtigsten Bewegungsachsen des Campus hier zusammenlaufen und sich kreuzen.

So wie die durchgehende Dachstruktur die einzelnen Baukörper und Bereiche zusammenhält, so bringt das Learning Center den Campus näher zusammen. Aktivitäten werden gebündelt und dadurch intensiviert. Durch das Nebeneinander von verschiedenen Angeboten wird Austausch und die Kommunikation gefördert. Dem Campus wird ein zentraler Ort gegeben.