Erweiterung Landratsamt Tuttlingen

Mitarbeit im Büro Muffler Architekten BDA/DWB

Im Rahmen der baulichen Erweiterung des Landratsamtes stellt sich die grundsätzliche Frage des Umgangs mit dem Bestehenden. Soll die Erweiterung den Bestand direkt weiterbauen und sich mit diesem verbinden oder stellt sie sich in einer Blockrandbebauung frei. Diese Frage ist grundlegend für den Entwurfsprozess. Aber welche Entscheidungskriterien sind hierbei ausschlaggebend? Ist es die Kontinuität des Architektonischen oder die funktionale Bestimmung der baulichen Struktur. Unseres Erachtens setzt eine funktionale Bestimmung auch ein architektonisches Bild voraus. Ein Gebäude, welches im Gegensatz zum Bestehenden, aus Gründen der Nutzungsvielfalt eine möglichst offene Baustruktur aufweisen soll, bedarf auch einem spezifischen, diese Nutzungsstruktur wiederspiegelnden Erscheinungsbild. Louis Sullivan beschrieb dies, „…dass das Leben in seinem Ausdruck erkennbar ist und dass die Form immer der Funktion folgt.“ Kurz „form follows function“.

Im Anbetracht dieser Erkenntnis löst sich die gestellte Aufgabe wie selbst. Eine Struktur, die den Raumprogrammforderungen gerecht werden soll, kann sich nur schwerlich mit einer konträren Baustruktur direkt verbinden. Wir entschieden uns im Sinne des Funktionalen für ein vom Bestehenden abgelöstes Gebäude, welches die umgebende, historische Blockrandbebauung innerhalb des gegebenen Rahmens ergänzt.

Die bauliche Form nimmt mit dem viergeschossigen Baukörper zur Werderstraße die äußere Flucht des bestehenden Gebäudes auf. Der Eingangsplatz definiert sich über den südlichen Seitenflügel des Bestandes, mit welchem sich die Erweiterung im 1. Obergeschoss verbindet. Zwischen Eingangsplatz und Weimarstrasse wird eine Wegbeziehung ausgebildet von der aus der Nebeneingang erschlossen wird. Der Haupteingang des Erweiterungsbaus richtet sich klar zum Eingangsplatz aus. Es entsteht ein gefasster Außenraum mit einer Raumöffnung nach Osten zu Werderstraße und dem bestehenden Durchgang zur Bahnhofstrasse. Beide Eingänge, der zum Bestehenden und zur Erweiterung stehen in räumlichem Dialog. Die zwei Innenhöfe der Erweiterung stehen in Beziehung zu den dreiseitig gefassten Höfen des Bestandes. Durch die Situierung der Erschließungen der Erweiterung treten beide Hofstrukturen in einen räumlichen Bezug. Durch ein Vordach markiert, situiert sich der Eingang des Straßenverkehrsamtes zur Weimarstraße hin. Diesem vorgelagert werden eine kleine Anzahl an Parkplätzen vorgeschlagen. Der Baukörper als solcher erhält eine Sockelausbildung, welche den Höhenunterschied zur Weimarstraße aufnimmt.

Das bauliche Konzept des Entwurfsvorschlags soll aufzeigen, dass die funktionalen Anforderungen der Bauaufgabe und das Eingehen auf gewachsene bauliche Strukturen, ein gesamtheitliches Erscheinungsbild zwischen „Neuem“ und „Bestehendem“ bewirkt. Es soll ein „Neuer Ort“ entstehen, welcher sein Wesen aus der Architektur, Funktion und baulichen Form im Zusammenspiel mit dem Bestehenden bezieht.